Nach dem ersten Tag des zweitägigen EU-Gipfels im französischen Versailles zeichnet sich ab, dass zwei zentralen Forderungen, die im Vorfeld gestellt wurden, wohl eine Absage erteilt wird: Weder soll es zu einem sofortigen EU-Importstopp für russisches Gas und Öl kommen noch zu einem schnellen EU-Beitritt der Ukraine. In der EU selbst will man nichts Geringeres, als die Weichen neu zu stellen und mehr in Energieunabhängigkeit sowie Verteidigung zu investieren.
In der seit Tagen belagerten ukrainischen Hafenstadt Mariupol spielen sich angesichts der katastrophalen Versorgungslage mittlerweile dramatische Szenen ab. „Die Leute haben angefangen, um Lebensmittel zu kämpfen“, sagte ein Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in einer am Donnerstag veröffentlichten Videobotschaft. „Alle Geschäfte und Apotheken wurden vor vier oder fünf Tagen geplündert.“
So unklar die Lage angesichts von unüberprüfbaren Angaben der beiden Kriegsparteien ist – eines ist wohl klar: Russland hat nicht mit einem derart ausdauernden militärischen und politischen Widerstand der Ukraine gerechnet. Dazu kommt der Widerstand der Zivilbevölkerung in jenen Städten, die die russische Armee bisher erobert hat.